Familien-Tradition Täschhütte

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70 Jahre Familientradition auf der Täschhütte

Bis 1970 wurde die SAC-Hütte in Zermatt von Josef Mooser-Lerjen bewirtschaftet. Im Frühjahr 1971 übernahm der Neffe Alfons Lerjen mit Ehefrau Anita das Amt des Hüttenwarts. Ihm folgte dann im April 1992 sein Sohn André, der die beliebte Alpenherberge zusammen mit Gattin Gela bis heute führt. Bald wird diese über 70-jährige Familientradition aber zu Ende gehen. Das Ehepaar Lerjen hat entschieden, die Hüttenbewartung per Ende September 2017 in neue Hände zu übergeben.

Der heute 54-jährige Hüttenwirt, Bergführer und Schneesportlehrer André Lerjen aus Zermatt ist schon seit 45 Jahren mit der Täschhütte verbunden. Bereits als Primarschüler ging er seinem Vater Alfons zur Hand. Er erinnert sich noch gut, wie er im Knabenalter jeweils täglich die Frischmilch von der Sennerei auf der Täschalp hochtragen musste. Zu dieser Zeit herrschte eine strenge Hüttenordnung. Das Verpflegungsangebot war nicht so üppig wie heute. Auch die Gäste hatten weniger hohe Ansprüche. Mangels Kühlschränken standen vorwiegend Milch und Käse, Suppe und Brot, Teigwaren und Kartoffeln sowie Hauswürste und luftgetrocknetes Fleisch auf dem Speiseplan.

Vom Sommerjobber zum Zermatter Hüttenwirt auf 2.701m

Wirt der Berghuette Taeschhuette Zermatt
Hüttenwart André Lerjen (c) Zermatt Magazin

Da André jeden Sommer in der Berghütte half, war eigentlich bald klar, welcher der sechs Söhne dereinst die Nachfolge des Vaters antreten sollte. Bei einem der ersten Treffen teilte er diese Tatsache auch seiner Freundin mit. Die St. Gallerin Gela Demjen war 1984 als Konfektionsverkäuferin nach Zermatt gekommen. Vier Jahre nach der 1988 gefeierten Hochzeit erfolgte dann die Ablösung des 70-jährigen Vaters und die Übernahme der verantwortungsvollen Arbeit auf 2701 m über Meereshöhe. Bald verbrachten auch ihre drei Kinder Sabrina, Yannic und Tanja die Sommermonate in der Hütte.

Inzwischen hat das Ehepaar Lerjen bereits 25 Jahre als Hüttenverantwortliche hinter sich gebracht und dabei Zehntausende von Gästen betreut und bewirtet. Viel veränderte sich während dieser Zeit. Die Modernisierung ermöglichte zwar eine willkommene Arbeitserleichterung. Nach wie vor ist aber eine große Flexibilität und viel Einsatzwillen erforderlich. Dringende Reparaturen und die Instandhaltung muss der Hüttenwart als Allrounder selber ausführen können.

Arbeitsreiches Hüttenleben

Die Täschhütte ist jedes Jahr während gut 120 Tagen bewartet. Bei guten Schnee- und Wetterverhältnissen ist die Berghütte jeweils ab der ersten April-Woche geöffnet. Während etwa 30 Tagen beherbergt er zusammen mit einem Hüttengehilfen ausschließlich Skitourengänger. Nach der Schließung Anfang Mai beginnt er dann mit der Vorbereitung der bevorstehenden Sommersaison. Zwischen Ende Juni und Ende September empfängt er mindestens 12 Wochen lang vorwiegend Alpinisten, die für Hochtouren und zum Gletschertrekking hochsteigen. In dieser Zeit sorgen fünf Personen für das Wohlbefinden der Wanderer. Das Ehepaar Lerjen beschäftigt dann einen Koch, einen Hüttengehilfen sowie eine Mitarbeiterin für Service und Rezeption. Gegen 90 Prozent der Besucher mit Übernachtung buchen Halbpension, müssen also mit einem stärkenden Frühstück und einem währschaften Abendessen versorgt werden. Besonders willkommen sind natürlich auch die Tagesgäste, die hier während ihren Bergwanderungen eine Rast mit Zwischenverpflegung einlegen.

Alltag auf der Täschhütte: Organisation und Teamfähigkeit

Die Arbeitstage in einer Berghütte dieser Größe sind lang und streng. Bereits um 3.00 Uhr ist für den Hüttenwart Tagwache. Zu dieser Zeit muss den Hochtourengängern das Frühstück bereitgestellt werden. Vier Stunden später frühstücken die Gäste, die beim Hüttentrekking oder auf Wandertouren unterwegs sind. Bald schon treffen die ersten Tagesgäste ein und wünschen eine Bewirtung mit Getränken, Imbiss oder Mittagessen. Dazwischen müssen die Innenräume aufgeräumt und gereinigt werden. Neben der Küchenarbeit gilt es, unter anderem die Waschmaschine am Laufen zu halten. Um 18.30 Uhr beginnt der Service des Abendessens. Bis alles geordnet und für den nächsten Tag hergerichtet ist, sind die Gäste bereits in den Betten und genießen die ab 22.00 Uhr verordnete Nachtruhe.

Viel Aufmerksamkeit erfordert auch die Organisation der Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken. Früher stieg regelmäßig ein Träger vom Dorf Täsch hoch und brachte den nötigen Nachschub. In den Jahren 1962 und 1972 wurde in zwei Etappen ein nur mit einem Jeep befahrbarer Weg von der Täschalp via Rinderberg zur Hütte errichtet. So bietet sich dem Hüttenwart eine Alternative zum einfacheren, aber teureren Transport mit dem Hubschrauber.

Bei guter Auslastung bietet sich nicht viel Freizeit, die das Personal mit eigenen Bergausflügen verbringen könnte. Sollte aber die schlechte Witterung die Ankunft/Abreise oder die Tourengänge der Gäste verunmöglichen, dann muss man sich auf engstem Raum zu beschäftigen wissen. Dabei ist eine gute Teamfähigkeit der Mitarbeitenden sehr wichtig.

Steigende Anzahl von Übernachtungen durch Hängebrücke

Die wegen Steinschlaggefahr angeordnete Teilsperrung mehrerer Bergwanderrouten in der Region Zermatt und die ungünstige Witterung verursachten seit 2012 einen Rückgang der Logiernächte. Der Europaweg Grächen – Randa – Zermatt ist nach wie vor nicht durchgehend begehbar. Inzwischen sind verschiedene Sicherungsarbeiten im Gange. So ist seit August 2016 der Wanderweg von Zermatt (Sunnegga) via Tufternalp zur Täschalp wieder offen.

Hüttenwart André ist optimistisch, dass sich nach dem Bau der für Sommer 2017 geplanten Hängebrücke oberhalb von Randa wieder mehr Wandergäste auf die attraktiven Höhenwege wagen werden. Dadurch würden auch die Frequenzen in der Täschhütte wieder steigen.

Zermatt Berghuette Taeschhuette
Familiär geführt: Täschhütte auf 2.701 Meter (c) Zermatt Magazin
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