Air Zermatt Jubiläum – 50 Jahre auf Rettungstour

Geschrieben von Dominic Andres, Team Berg

Die Gründung der Air Zermatt

Wie schon öfters, konnte der Rettungshelikopter von Sion aus Wettergründen wieder einmal nicht starten, um schwer verletzte Bergsteiger aus dem Zermatter Hochgebirge zu retten. Die Zermatter konnten es fast nicht begreifen, es war ja kein Wölkchen am Himmel. Einige Idealisten um Beat H. Perren (Ambulanzwesen), Constantin Cachin (Kurdirektor), Daniel Lauber und Ulrich Imboden (Bauunternehmer) und einige mehr, entschlossen sich Ende 1967 einen Helikopter für Zermatt zu kaufen und einzusetzen.

1968 wird in Zermatt ein Helikopterunternehmen mit dem Namen Air Zermatt AG ins Leben gerufen. Der vorrangige Zweck damals war die rasche Hilfe von verunfallten und erkrankten Menschen in den Bergen. Auf einem Felsvorsprung, nördlich des Dorfes gelegen, entsteht ein Heliport. Von hier aus nehmen in der Folge die spektakulärsten Helikopter-Rettungsaktionen, in den Schweizer Alpen, ihren Anfang.

Beat H Perren (2. vl) gründete 1968 die Air Zermatt AG

Der erste Heli der Air Zermatt

Am 01.04.1968 flog der Heli vom Typ Agusta-Bell 206A Jet Ranger von Malpensa nach Bern und am 10.04.1968 nach Zermatt und Täsch, wo er in einer zu kleinen Scheune ein Jahr lang untergebracht war (im Winter auf dem Dach von Dr. Julen mitten in Zermatt). Bereits wenige Tage nach der Stationierung zuhinterst im Mattertal wurde mit dem Jet Ranger mit der Immatrikulation “HB-XCL” der 1. Rettungseinsatz durchgeführt. Es handelte sich um ein Kind mit einem Beinbruch und als Flugretter amtete der “Chef” (Beat H. Perren) gleich persönlich.

Der erste Heli war eine Maschine vom Typ Agusta-Bell 206A Jet RangerErstmals ein Heli mit einer Rettungswinde

Im Jahre 1969 wird eine Alouette III SA3160 mit der Immatrikulation “HB-XDA” auf dem Heliport in Zermatt stationiert. Es ist der erste, mit einer Rettungswinde ausgerüstete Rettungshelikopter in der Schweiz. Ein Helikopter, der in der Schweizer Luftrettung Geschichte schreiben sollte. Von nun an ist die Air Zermatt an vorderster Front mit dabei, den Luftrettungsdienst in der Schweiz aufzubauen. Die Helikopter der Air Zermatt werden von der damaligen Rettungsflugwacht (heute Rega) in der ganzen Schweiz zu Hilfeleistungen aufgeboten. Im Berner-Oberland, in den Kletterbergen der Zentralschweiz, im Tessin und Graubünden sowie im Grenzbereich Italiens sind die Helikopter aus dem Oberwallis im Einsatz.

Erste Direktrettung in steilsten und gefährlichsten Bergwänden

Im September 1970, anlässlich des ersten internationalen Helikopter-Symposiums im Berner Oberland, zeigt die Air Zermatt mit ihren Piloten Günther Amann und Sigi Stangier, dass Direktrettungen mit dem Helikopter auch in den steilsten und gefährlichsten Bergwänden wie der Eigernordwand möglich sind. An fünf Stellen der Eigernordwand werden Bergführer mit der Winde abgesetzt. Die Rettungsfachleute staunen und horchen auf. Anlässlich des gleichen Helikopter-Symposiums landet zum ersten Mal ein Helikopter, die “Alouette III “HB-XDA” der Air Zermatt, auf dem äusserst kleinen Felsvorsprung an der Mittellegihütte des Eigers.

Schon im folgenden Jahr wird durch Günther Amann die erste Direktrettung in der berüchtigten Eigernordwand durchgeführt. Für diese hervorragende Leistung wird Pilot Günther Amann in Amerika mit dem Heroism-Award ausgezeichnet. In der Folge werden durch die Air Zermatt und ihre Tochterfirma BOHAG mit Erfolg viele Eigernordwand-Direktrettungen vorgenommen.

Seilbahn-Evakuation auf über 240 m über GrundEvakuation der Passagiere aus der blockierten Schilthornbahn

Im Winter 1972 werden durch die Air Zermatt weltweit erstmals in der Geschichte der Helikopterrettung 72 Passagiere aus einer 240 m über Grund blockierten Grosskabine der Luftseilbahn am Schilthorn evakuiert.

Anlässlich des 2. Internationalen Helikopter-Symposiums auf der Kleinen Scheidegg demonstriert die Air Zermatt erstmals Rettungen mit verlängertem Windenseil, sogenannte Longline-Rettungen. An einem Seil von 65 m Länge wird in der Eiger-Westflanke das Absetzen von Rettern im Fels gezeigt.

 

Medikalisation der Helikopterrettung 

1973 wird von der Air Zermatt der wohl wichtigste Schritt in der Schweizer Luftrettung getan: die Medikalisation der Helikopterrettung. Als erstes Rettungsunternehmen in der Schweiz hält die Air Zermatt fortan festangestellte Ärzte und Anästhesiepfleger auf ihrer Basis bereit, welche die Helikopterbesatzungen auf ihren Rettungseinsätzen begleiten.

Ab 1983 wird diese Medikalisation neu überdacht und verbessert. Ab 1984 werden auf den Rettungsbasen der Air Zermatt Anästhesie-Ärzte und Anästhesiepfleger mit Notfall- und Intensivmedizin-Erfahrung eingesetzt, welche von nun an die Rettungshelikopter begleiten. Auch die medizinische Ausstattung der Helikopter wird verbessert und ab Ende der 80er-Jahre steht der Air Zermatt mit der Bell 412 eine schnellere, geräumigere, 2-motorige Rettungsmaschine zur Verfügung. Dieser Helikopter ermöglicht es, mehrere polyblessierte Patienten während des Transportes zu überwachen und zu behandeln. Mit der 90m Winde und der grösseren Leistung können Rettungen durchgeführt werden, die mit den kleineren Maschinen nicht machbar waren. 

Die Standorte der Air Zermatt

Im Laufe der Jahre, als die Flugaufträge immer zahlreicher und die Anflugwege immer weiter wurden, musste man sich nach einem zweiten Standort im Rhonetal umsehen. So wurde 1979 vorerst in einem Unterstand (Hangar 7) auf dem Flugplatz Raron ein Helikopter vom Typ Lama stationiert, um von dort aus hauptsächlich Transportflüge im Oberwallis auszuführen. Der Heli war die HB-XII, die damals frisch ab Werk kam und noch heute regelmässig im Flugbetrieb eingesetzt wird. Der Hangar 7 war aber nur eine Zwischenlösung. Da das Unternehmen weiter wuchs, wurde der Entscheid für einen Neubau gefällt. Im Mai 1985 folgte dann der Umzug in die neuen Hangar-Räumlichkeiten und dem heutigen Heliport Raron, dem grössten Standort der Air Zermatt.

In den 90er-Jahren wurde ein weiterer Standort auf dem Flugplatz Sion in Betrieb genommen. Heute ist dort zwar kein Heli mehr stationiert, aber die Air Zermatt ist im Flughafengebäude noch mit einem Büro vertreten.

Auf die Wintersaison 2013/14 wurde der Heliport Gampel reaktiviert und ein Rettungsheli stationiert, um im Flugrettungsdienst eine optimalere Flächenabdeckung im Wallis zu gewährleisten.
So operiert die Air Zermatt heute im Wallis von den drei Basen Raron, Gampel und Zermatt und betreibt ein Büro in Sion.

Weitere Meilensteine und erwähnenswerte Ereignisse in der Firmengeschichte gibt es hier.

Das grosse Fest zum Jubiläum

Zum 50. Geburtstag organisiert die Air Zermatt einen Jubiläumsevent mit zwei Tagen der offenen Tür am 19. + 20. Mai 2018 auf der Basis Raron. Es wird ein vielseitiges und interessantes Rahmenprogramm mit diversen Aktivitäten am Boden und in der Luft wie Vorführungen und Flugdemos, Rundflüge, Flugsimulator, Ausstellungen, Animationen und Festwirtschaft organisiert. Ein Anlass der Alt und Jung begeistern wird.

Die Air Zermatt freut sich auf deinen Besuch.

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