Eine Standseilbahn wie neu: Ab auf die Sunnegga!

Gastbeitrag von Sandra Stockinger, Team Berg

Nirgends sind die frühen Morgenstunden mit dem farbenfrohen Sonnenaufgang und dem Blick auf das Matterhorn schöner als auf Sunnegga. Auch während des Tages bietet die Sonnenecke Zermatts ein beeindruckendes Panorama auf die umliegende Bergwelt. Damit dieser magische Ort sicher und schnell erreicht werden kann, sind hinter den Kulissen aufwändige Revisionsarbeiten nötig. Diese wurden während des vergangenen Monats in Angriff genommen, damit die Standseilbahn rechtzeitig auf Ende Mai für die Besucher fahrbereit ist!

Die “neue” Standseilbahn auf die Sunnegga

Wer ein paar sonnige Stunden auf Sunnegga geniessen will, steigt in die Standseilbahn und erreicht bequem innerhalb weniger Minuten sein Ausflugsziel. Dem Besucher ist meistens nicht bewusst, was alles dahinter steckt, damit der alltägliche Betrieb gewährleistet werden kann. Im Halbjahrestakt müssen die Mitarbeiter der Zermatt Bergbahnen intensive Instandhaltungs- und Revisionsarbeiten vornehmen.

So funktioniert eine Instandhaltung

Dass die Standseilbahn so ruhig durch den Stollen bis nach oben rollt, ist den sogenannten Drehgestellen zu verdanken. Das Drehgestell ist sozusagen die Achse der Standseilbahn. Die Wagen sind schwimmend auf den Drehgestellen aufgelagert. Das heisst die Verbindung zwischen Wagen und Drehgestell besteht aus vier Federn und zwei Ausgleichszylindern. Diese gleichen Unebenheiten und ruckartige Stösse aus und sind vergleichbar mit den Stossdämpfern eines Autos. Gemäss den Vorgaben in der Instandhaltungsplanung der Standseilbahn, muss jedes Drehgestell alle sechs Jahre gewartet, sprich ausgebaut und total revidiert werden. Genau diese Arbeiten wurden im letzten Monat durchgeführt.

Durchdachte Planung und Koordinierung ist sehr wichtig

Da man die Standseilbahn nicht wie ein Auto auf eine Hebebühne stellen und die Teile einfach auswechseln kann, müssen die einzelnen Arbeitsschritte genau geplant und koordiniert werden. Als erstes wird die Zugkomposition aus der Perronbucht hinauf in den Stollen gezogen. Um Zeit zu sparen, besitzt die Zermatt Bergbahnen AG ein Reservedrehgestell. Dieses Gestell wird dann mit einem Teleskopstapler auf die Gleise gestellt, danach mittels Winde hinauf Richtung Stollen gezogen. Oben, am Ende der Perronbucht, wird auf den Treppen ein Hilfsgleis montiert, wo das revidierte Drehgestell zwischengelagert wird.

Die Zugkomposition wird ganz nach unten gefahren und der letzte Wagen wird abgekoppelt. Nachdem die Verbindungen der Wagen geklappt hat, werden die oberen beiden Wagen wiederum Richtung Stollen gezogen. Das montierte Drehgestell wird ausgebaut und der Wagen mit Seilzügen auf ein Hilfsfahrwerk gestellt. Jetzt kann das Drehgestell im untersten Wagen ausgetauscht werden. Das neue wird auf das Gleis gehoben, und das alte auf das Hilfsgleis. Das neue Drehgestell wird unter den Wagen gezogen und fest am Wagen montiert. Anschliessend werden die Wagen wieder heruntergelassen und miteinander verbunden. Das ausgebaute Drehgestell wird nach Blauherd transportiert, wo es zwei Wochen lang einer Rissprüfung und Komplettrevision unterzogen wird, bevor es im Herbst den Platz eines revisionsbedürftigen Drehgestells unter der Standseilbahn einnimmt.

Der Held des Drehgestellwechsels

Der gesamte Drehgestellwechsel war in der vergangenen Revisionsphase die praktische Abschlussprüfung von einem Lehrling der Zermatt Bergbahnen AG. Somit kommt die abgeschlossene Revision nicht nur dem Fahrkomfort und der Sicherheit der Fahrgäste zugute, sondern auch einem erfolgreichen Lehrabschluss.

Wenn Sie also das nächste Mal nach Sunnegga fahren, geniessen Sie die Fahrt und achten Sie darauf, wie reibungslos die Bahn nach oben rollt. Dies ist der Technik, aber vor allem auch den vielen schweisstreibenden Arbeitsstunden der Spezialisten und Lehrlingen, zu verdanken.

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