Lawinenkurs-Ausbildung Stufe 1

Die neuen Lawinenkurse der ZERMATTERS setzen sich zum Ziel, Wintersportler für die Gefahren der Bergwelt zu sensibilisieren und vermitteln das korrekte Verhalten bei Lawinenniedergängen. Und genau so einen Kurs habe ich besucht.

Als wir im Herbst die neuen Angebote der ZERMATTERS (Skilehrer- & Bergführerbüro in Zermatt) entdeckten, war für uns sofort klar – dieses Jahr besuchen wir einen Lawinenkurs.

Ich bin weder die versierte Freeride-Fahrerin noch diejenige, welche grosse Skitouren macht. Trotzdem stelle auch ich mir immer wieder Mal die Frage, wie die Schneelage aktuell einzuschätzen ist, auf was geachtet werden sollte und wie ein allfälliges Risiko verringert werden kann.

Ein Blick in die Zielsetzung des Kurses bestätigte meinen Entschluss: Sensibilisierung im Hinblick auf die Gefahren der Bergwelt und Vermittlung des korrekten Verhaltens bei Lawinenniedergängen.

Mir ist durchaus bewusst, dass ein Kurs allein noch keinen Profi-Lawinenkenner aus mir macht, aber irgendwo muss man ja mal anfangen. 😉

Vorbereitung auf den Lawinenkurs

Als der Kurstag immer näher rückte, habe ich mich etwas intensiver mit der Ausrüstung beschäftigt und alles nötige bereit gemacht.

Lawinenkurs-Ausbildung Stufe 1
Übersicht des benötigten Materials für den Kurs © Fabienne Fux-Schaller

💡Tipp: Wer keinen eigenen Airbag-Rucksack, keine Schaufel, Sonde und kein LVS-Gerät hat, kann dies für den Kurs bei den ZERMATTERS mieten.

Ein letzter Blick auf die Wettervorhersage und dann war ich ready. 🙃

Der Kurstag

Pünktlich standen wir Samstags vor der Talstation und warten gespannt und mit Vorfreude auf unseren Bergführer.

Unser Bergführer und Ausbildner für diesen Tag war Emanuel Julen. Ein junger, lokaler Bergführer und Skilehrer, der sich bestens mit der Thematik und den Gegebenheiten in Zermatt auskennt.
Im Skigebiet angekommen, geht es gleich los.

Lawinenkurs-Ausbildung Stufe 1
Ready für einen spannenden Ausbildungstag ©Christian Ziörjen

Die erste Frage von Emanuel: «Wie ist das Wetter heute und wie sieht die Lawinenlage aus?» Erwischt. 😏

Na wenigstens hatte ich am Morgen noch kurz die Matterhorn App geöffnet und gesehen, dass es ziemlich stark windet. Daher werden wohl am Morgen noch nicht alle Anlagen offen sein. Aber am Nachmittag sollte das Wetter freundlicher sein. Und es hatte am Vortag geschneit. Damit hat es sich dann aber schon 😉

Aber wir waren ja da, um etwas zu lernen und somit begannen wir doch gleich mit dem aktuellen Lawinenbulletin und der Frage, wie dies zu lesen und zu verstehen ist.

💡Tipp: Die White Risk App des SLF (Institut für Schnee- & Lawinenforschung) gibt detaillierte Auskunft zum aktuellen Lawinenbulletin und der Wetterlage.

Weitere Themen bei diesem Theorieblock: Wetteranalyse von heute und im Allgemeinen, Arten von Lawinen, Lawinenwarnstufen, woher die Daten für die Einstufung kommen und wie diese zu lesen und zu verstehen sind.
Nach diesem Theorieblock, einer Abfahrt auf den Skiern und einer Kaffeepause begann der praktische Teil.

Wir lernten, wie mithilfe eines Kompasses und einer Karte die Richtung bestimmt wird und welches Material auf eine Skitour mitgehört …

Lawinenkurs-Ausbildung Stufe 1
Mit Kompass und Karte die Richtung bestimmen ©Christian Ziörjen

… wie ein LVS (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät) benutzt wird, wie man damit richtig sucht, wie man eine Sonde einsetzt und wie mit einer Schaufel und unter Schweiss Schneelöcher gegraben werden.

Sicherlich war der Kurs auch mit Spass verbunden, und doch ist uns immer wieder bewusst geblieben und geworden, wie gefährlich Schnee sein kann. Wie schnell etwas passieren kann und wie wenig Zeit einem bleibt, richtig zu reagieren, wenn der Ernstfall doch einmal eintreten sollte. Ein gewisses Mass an Respekt, ist also sicherlich angebracht.

Einige Wochen und einige Schneefälle später

Wenn ich den Kursinhalt und dessen Ziele nochmals reflektiere, so kann ich doch auf alle aufgeführten Punkte eine Antwort geben und weiss, was damit gemeint ist.

Zudem beschäftige ich mich viel öfters mit dem aktuellen Lawinenbulletin, dem Wetter und den Gegebenheiten. Ich kann sagen, es macht Spass und ist interessant, wenn man dies etwas besser versteht und weiss wie man es interpretiert.

Learnings:
(sind aber längst nicht alle 😉)

❄️ Übung macht den Meister, je mehr z.B. ein Lawinenbulletin studiert wird, umso besser weiss man, was dies aussagt. Und je öfters eine Suche mit dem LVS-Gerät geübt wird, umso sicherer und effizienter wird man.

❄️ Ein typisches Lawinengelände ist zwischen >30° und 45° steil und es gibt 5 verschiedene Lawinengefahrskalen.

❄️3×3-Methode = Beurteilen und Entscheidungen treffen in den drei Bereichen Planung, Beurteilung vor Ort einzeln pro Hang und dabei immer die drei Aspekte Verhältnisse, Gelände und Mensch mit einbeziehen.

❄️ Bei einem unguten Gefühl sollte man lieber umkehren

❄️Was sind neben Hangneigung, Exposition, Höhenlage und Lawinenproblemen weitere Risikofaktoren und wie können diese vermindert werden

❄️ Der totgeile Dreier: Ein Nordhang, extrem steil und Lawinengefahr erheblich 😅

❄️ … und vieles mehr

Lawinenkurs-Ausbildung Stufe 1
Übersicht der 3×3-Methode ©Fabienne Fux-Schaller

👉 Hast auch du Lust bekommen, einen solchen Lawinenkurs zu besuchen? Dann schau dir gleich Mal die Details und Durchführungsdaten an.

Die ZERMATTERS bieten übrigens auch den Kurs für die 2. Stufe an. Dieser dauert 2 Tage und widmet sich noch detaillierter dem ganzen Thema, u.a. wird eine Tour von A-Z durchgeplant.
Weitere Informationen

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