Perfekte Pisten dank intensiver Vorarbeit

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Perfekt präparierte Pisten im Matterhorn ski paradise © Pascal Gertschen
Nicht nur Schnee, sondern auch zahlreiche Arbeitsstunden sind nötig, damit ein Wanderparadies zu einem Skigebiet wird. Bereits lange bevor der erste Schnee fällt, gehen die Vorbereitungen los.

Es ist September, Biker und Wanderer geniessen die herbstliche Stimmung und so langsam verfärben sich die Lärchen. Bei den Mitarbeitenden des Pisten- und Rettungsdienst hält der Winter bereits Einzug, wenn auch nur in den Köpfen. Damit das Matterhorn ski paradise im Winter die Schneesportler mit top präparierten Pisten begeistern kann, werden im Herbst zahlreiche Arbeitsstunden geleistet.

Mitte September gehen die Vorbereitungen bei den Schneimeistern los. Sämtliche Schneeerzeuger müssen erst einmal gespült werden, damit die Leitungen frei sind. Im selben Zuge werden die Lanzen und Schneekanonen getestet und allfällige Schäden behoben. Bei 1200 Schneeerzeugern im gesamten Skigebiet Zermatt, kann dies mehrere Wochen dauern.

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Über 5 km Sicherheitsnetze sind im Skigebiet unerlässlich, um die Sicherheit der Wintersportler zu gewährleisten © Zermatt Bergbahnen AG

Die Sicherheit für Mensch und Tier hat oberste Priorität

Sobald sich die Wanderer und Biker langsam aus den Bergen zurückziehen, beginnen die Montagearbeiten im Pistengebiet. Es gilt die Sicherheit der Ski- und Snowboardfahrer im Winter zu gewährleisten. Im Oktober werden dafür an den nötigen Stellen Sicherheitsnetze und Polsterungen angebracht. 5 Kilometer beträgt die Gesamtlänge der fixen Sicherheitsnetze im Skigebiet Zermatt. Dazu kommen zahlreiche Kleinabsperrungen. Auch für die Sicherheit der Tiere muss gesorgt werden. Die sechs Wild- und Waldschutzzonen auf Zermatter Boden werden gut sichtbar markiert, damit sich keine Wintersportler in die gesperrten Zonen verirren und die überlebenswichtige Winterruhe der Tiere stören. Ist im Pistengebiet genügend Schnee vorhanden, werden die Abfahrten präpariert und direkt danach die Markierungsstangen gestellt. Diese Stangen helfen nicht nur der Orientierung bei schlechter Sicht, sondern geben dank dem Farbsystem auch direkt die Schwierigkeit der jeweiligen Piste an. Beides ein unverzichtbarer Sicherheitsaspekt. Pro sechs Kilometer Piste rechnet man mit ungefähr 400 Stangen. Auf die 200 Pistenkilometer in Zermatt hochgerechnet, werden jeden Herbst über 13’000 Stangen gestellt, von Hand!

Technischer Schnee als Grundlage, natürlicher Schnee zur Veredelung

Wenn die Sicherungen angebracht sind, und die Temperaturen sinken, wird im Idealfall ab Ende Oktober die technische Schneeproduktion aufgenommen. Diese läuft bis Mitte Dezember auf Hochtouren, wenn nötig auch im Schichtbetrieb. Erste Priorität haben dabei die Hauptverbindungspisten. Das Ziel ist es, diese bis Mitte Dezember und das gesamte Skigebiet bis allerspätestens zur Weihnachtswoche zu öffnen. 70% der Pisten können technisch beschneit werden. Für die rechtzeitige Öffnung der anderen 30% muss die Natur mit Schneefall ihren Beitrag leisten. Technischer Schnee hat gleich mehrere Vorteile: Die termingerechte Öffnung des Skigebiets kann garantiert werden, die Abhängigkeit von Naturschnee ist geringer und somit die Schneesicherheit höher und fällt Naturschnee auf die Unterlage aus Kunstschnee, bleibt die Pistenqualität länger bestehen und somit kann man auch bis in den Frühling hinein auf top präparierten Pisten seine Kurven ziehen.

Durchschnittlich werden jedes Jahr aus rund 800’000 m3 Wasser ca. 1’600’000 m3 Schnee produziert. Das Wasser stammt aus hochgelegenen Speicherseen und fliesst mit der Schneeschmelze zurück in den natürlichen Wasserkreislauf.

Auch der Lawinen- und Rettungsdienst bereitet sich vor

Das Herzstück der Lawinensicherung sind die Sprenganlagen. 49 Stück dieser fixen Anlagen stehen an den wichtigsten Orten im ganzen Skigebiet. Damit es auch richtig knallt, und die Lawinen durch die Druckwelle kontrolliert ausgelöst werden, müssen diese mit Sprengstoff bestückt werden. Jeweils Anfang Oktober gelangt die explosive Lieferung nach Zermatt und wird in Sprengstoffmagazinen unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen gelagert. Bis Ende Oktober werden die Sprenganlagen scharfgemacht. Man kann sich das wie eine Art übergrossen Revolver vorstellen. In einem Zylinder werden 12 Kammern mit einer Ladung bestückt. Wird eine Ladung ausgelöst, dreht sich der Zylinder und die nächste Ladung gelangt in die Sprengvorrichtung. Die Zylinder werden am Boden bestückt und anschliessend per Hubschrauber punktgenau auf die Sprengmasten gesetzt.

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Mitarbeitende des Rettungsdienstes simulieren die Bergung aus der Gondelbahn, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt. © Zermatt Bergbahnen AG

Die ersten Lawinensprengungen werden schon vor der Öffnung des Skigebiets getätigt, damit die Mitarbeitenden im Gebiet nicht plötzlich von einer Lawine mitgerissen werden.

Beim Rettungsdienst steht der Monat November ganz im Zeichen der Aus- und Weiterbildung. Diverse externe Kurse für Neulinge aber auch erfahrene Bergretter werden besucht um das Rettungswesen auf dem neusten Stand zu halten. Das Ziel: ein perfekt organisiertes Rettungsteam mit präzisen Abläufen, sodass die Erstversorgung der Patienten schnell und zielgerichtet geleistet werden kann. Auch das Arbeitsmaterial der Retter und Patrouilleure muss kontrolliert und bereitgemacht werden. Skidoos, Schlitten, Baren, Matratzen, Erste-Hilfe-Koffer, Räumlichkeiten und alles, was es für einen Einsatz benötigt, wird genau unter die Lupe genommen und für den Einsatz vorbereitet.

Der Winter hält Einzug, die Arbeit geht weiter

Nachteinsatz bei den Schneimeistern und Pistenbully-Fahrern. © Zermatt Bergbahnen AG

Sind die Wintervorbereitungen abgeschlossen beginnt das tägliche Geschäft. Mit dem Spannen von Netzen und der Markierung der Pisten im Herbst ist es mit der Pistensicherung noch lange nicht getan. Täglich sind die Verantwortlichen des Pisten- und Rettungsdienstes unterwegs, schauen sich die Begebenheiten auf den Abfahrten an und beurteilen wo zusätzlich punktuelle Sicherheitsmassnahmen getroffen oder gar ganze Pisten geschlossen werden müssen.

Der Lawinendienst beurteilt jeden Tag aufs Neue die Gefahrenlage anhand von Schneeprofilen und Testsprengungen und entscheiden, ob der sichere Betrieb der Anlagen und Pisten gewährleistet ist. Ist das nicht der Fall, bleiben die betroffenen Pisten geschlossen.

Auch die Schneimeister können im Winter nicht in die Ferien. Punktuell werden während dem ganzen Winter Orte beschneit, wo wenig Schnee liegt. Auch dies ist sicherheitstechnisch wichtig. Ein Stein oder Fels, der fast nicht sichtbar im Pistengebiet durch die Schneedecke ragt, ist eine grosse Gefahrenquelle. Zusammen mit den Pistenfahrzeugfahrern werden die Pisten täglich präpariert und hergerichtet, dass den Wintersportlern am nächsten Tag wieder sichere und top präparierte Pisten zur Verfügung stehen.

Für die Vorbereitungs- und Unterhaltsarbeiten des Pistengebiets sind nicht nur unzählige Arbeitsstunden nötig, für diesen Einsatz benötigt es auch Manpower. Damit unsere Gäste den perfekten Skitag erleben können, sind im Hintergrund, zum Teil bis spät in die Nacht hinein, täglich bis zu 80 Mitarbeitende beschäftigt.

Es wird also kein Aufwand gescheut um die Sicherheit und das Wintersporterlebnis auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Vom Resultat kannst du dich bei einem Skitag auf den 360 km Pisten im Matterhorn ski paradise am besten selber überzeugen. Und vielleicht schätzt du jetzt die Abfahrt noch mehr, da du nun weisst, wieviel Aufwand für die perfekte Piste nötig ist. 

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