Mit Nervenkitzel & einer Portion Glück zum Praktikum nach Zermatt

Zermatt in der Dämmerung
Aussicht auf die Abenddämmerung in Zermatt. © Michelle Jung
Einmal quer durch die Schweiz, bitte! So in etwa hat sich mein Umzug angefühlt. Denn vor wenigen Tagen bin ich von 400 auf 1’600 Höhenmeter gezogen.

Angefangen hat alles mit meiner Praktikumssuche: Ich studiere Kommunikation an der ZHAW in Winterthur und musste während meines vierten Semesters ein Praktikum absolvieren. Als es darum ging, etwas Passendes zu finden, habe ich mir ein Ziel gesetzt: Ich will mein gewohntes Nest – Weinfelden im Mittelthurgau – verlassen.

Ein Praktikum in Zermatt

Anfangs waren meine Bewerbungen an Deutschland adressiert, da mich die da ansässige Autoindustrie sehr interessiert. Jedoch änderte sich das schlagartig, als ich die Praktikumsstelle bei Zermatt Tourismus in der Kommunikation entdeckte.

Als ich dann meinen Vertrag bei Zermatt Tourismus unterschrieben hatte, strahlte ich über beide Ohren.

Glück gehabt?

Nun folgte der weniger schöne Teil, der eher an Panik als an Vorfreude grenzte. Denn Mitte Dezember ging meine Wohnungssuche los. Es gibt wirklich bessere Zeitfenster in Zermatt, um eine Wohnung zu finden… Doch man hat mich nicht meinem Schicksal überlassen. Denn ich erhielt Unterstützung von Doris, die mir laufend Inserate zukommen liess. Und siehe da, es war etwas dabei und das erst noch in Top-Lage: 25 qm, Matterhornblick und zehn Gehminuten von meiner Arbeitsstelle entfernt. Glück gehabt!

Meine Chefin nahm den Besichtigungstermin wahr und ich erhielt das Studio. Ich hatte es zwar nie in natura gesehen, doch ich vertraute auf die Einschätzung meiner Vorgesetzten Simona.

“Du Hää, was du bisch jetzt denn weg!?”

Mein Freundeskreis, wie auch meine Familie, realisierten erst sehr spät, dass ich effektiv für acht Monate für das Praktikum nach Zermatt ziehen würde. Als sich dann die endgültige Einsicht bei ihnen manifestierte, wollten mich alle “ein letztes Mal” sehen. Dieses “letzte Mal” fiel dann bei 99 % auf die Woche vor meiner Abreise. Mein Terminkalender platzte aus allen Nähten, doch ich wollte niemanden enttäuschen. So willigte ich einem nach dem anderen für Brunch, Mittag- oder Abendessen ein.

Doch nicht nur der Terminkalender platzte in dieser Woche aus allen Nähten, sondern mit der Zeit auch meine Kleider. Denn es gibt offensichtlich bessere Ideen, als nach einem Brunch ein Mittagessen bei Grossmutter einzuplanen, bei der ohne Ende aufgetischt wird.

Nichtsdestotrotz war es eine wunderschöne letzte Woche im Thurgau. Mir liegt viel daran, Freundschaften zu pflegen und Dinge wie ein Umzug gemeinsam zu zelebrieren- das ist definitiv gelungen! Und so verliess ich Weinfelden mit zwei lachenden Augen – auf zum Praktikum nach Zermatt!!!

Ein dringender Notfalltag

Ariane in der Kinderabteilung
Ariane in der Kinderabteilung und mit den Nerven am Ende. © Michelle Jung

Hand aufs Herz – den Umzug hätte ich besser planen können. Aber irgendwie hatten meine Last-Minute-Aktionen auch ihren Reiz. So hatte ich zwei Tage vor meiner Abreise einen Notfalltag eingeplant, bei welchem mich meine langjährige Kollegin Ariane begleiten sollte. Diesen hatte ich letztlich bitter nötig. Denn ich hatte einen Tag zuvor erfahren, dass meine Vormieterin ihr komplettes Hab und Gut mitgenommen hatte, sprich: Küchenutensilien, Decke und Kissen. Wie man sich bereits ausmalen kann, hatte ich ausser meiner Decke und meinem Kissen NICHTS.

Also ging es am Donnerstagmorgen um sieben Uhr auf den Zug nach Zürich. Für uns war das derart früh, dass wir erst einmal einen Besuch im Restaurant-Wagon abstatten mussten. Da erstellten wir eine Einkaufsliste, mit Dingen, die man in einer Küche braucht. Wir konsultierten unseren liebsten Freund Google, der uns sogleich diverse Listen ausspuckte. Eine X-beliebige wählten wir dann aus.

Die Einkaufsliste stand und wir stürzten uns blauäugig ins Vergnügen. Gestartet bei Ochsner Sport, folgten Transa, Coop City, Manor, Jelmoli und Orell Füssli. Und nein, Orell Füssli hat weder Schneesportartikel noch Küchenartikel, dafür aber einen Kaffee inmitten von Büchern. Dort verweilten wir viel zu lange, bis uns die Realität wieder einholte. Die Einkaufsliste ruft!

Schlau wie wir sind, kauften wir erst die Küchenartikel ein: Teller, Pfannen, Gläser und so weiter. Merke dir an dieser Stelle: Wir sind definitiv keine Vorzeigebeispiele, wie man einen grossen Einkauf strukturiert. Das Verkaufspersonal musste unsere Einkäufe in die grösstmöglichsten Tüten verpacken. Die Augen der Angestellten wurden immer grösser und unsere Tüten immer untragbarer.

Nach einem nervenaufreibenden und anstrengenden Tag war ein Ende in Sicht. Wir hatten alles gefunden und traten um fünf Uhr die Heimreise an. Vollgepackt wie Schleppesel kamen wir in Weinfelden an. Dort angekommen, realisierten wir, dass wir nicht in der Lage waren, alles nach Hause zu tragen. Also starteten wir einen Telefonterror bei unseren Freunden und Familienmitgliedern. Ariane’s Mutter war schlussendlich bereit, uns abzuholen.

In der Tiefgarage vom Terminal Täsch
Terminal Täsch: meine Eltern mit meinem Hab und Gut. © Michelle Jung

Als dann der langersehnte Tag der Abreise gekommen war, ging es mit Sack und Pack quer durch die Schweiz. Im Terminal Täsch angekommen, mussten meine Eltern und ich die ganzen Taschen, Koffer und Verpackungen auf Wagen verladen. Sogleich ging es komfortabel mit dem Zug nach Zermatt. Dort angekommen, erhielten wir gleich ein Taxi, welches uns zu meinem Studio fuhr. Das Studio ist klein aber fein – die Aussicht unbezahlbar. Ich fühlte mich sofort wohl.

Nun arbeite ich seit einer Woche hier. Die Praktikumsstelle entspricht meinen Erwartungen und ich konnte bereits in den ersten Tagen viel Neues lernen. Für mich bringt die Gewichtung meiner Arbeiten einen grossen Mehrwert, weil ich einerseits Social Media Accounts betreue und andererseits klassische Medienarbeit machen kann.

Obwohl mir die Arbeit sehr zusagt, hatte ich in der ersten Woche sehr zu kämpfen, dass Freunde wie auch Familie weit entfernt sind. Doch die positive Aura und die Freundlichkeit der hier lebenden Menschen lässt mich das zum Grossteil vergessen. Zudem bringen die vielen Touristen, die im Ferienmodus schweben, eine ungewohnt losgelöste Freude ins Dorf. Denn so viel Fröhlichkeit bin ich gar nicht gewohnt. In Weinfelden arbeiten die Menschen lediglich und es gibt nur wenige Menschen, die da Ferien machen.

Für die kommenden Monate wünsche ich mir vor allem eines: viel Freude bei meiner Arbeit. Ausserdem will ich das Matterhorndorf mit all seinen Facetten kennenlernen.

Übrigens hat unsere Google-Einkaufsliste ihren Job erfüllt, denn bis jetzt fehlt es mir an nichts – somit kann meine Zeit in Zermatt beginnen!

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