Das Zermatt Music Festival & Academy steht vor der Tür

Zeit, die Ohren zu spitzen: Das Zermatt Music Festival & Academy feiert das 100. Jubiläum des Kinofilms In Sturm und Eis – Im Kampf mit dem Berge über die Besteigung des Lyskamm mit einem Pre-Talk und einem Orchesterkonzert.

Zeit, die Ohren zu spitzen: Das Zermatt Music Festival & Academy feiert das 100. Jubiläum des Kinofilms In Sturm und Eis – Im Kampf mit dem Berge über die Besteigung des Lyskamms mit einem Pre-Talk und einem Orchesterkonzert.

Ein Jubiläum zum Festivalstart

Offiziell wird das 17. Zermatt Music Festival & Academy, das vom 08. bis 19.09. in und um Zermatt stattfindet, am 10. September mit einem besonderen Konzert eröffnet, da es fast auf den Tag genau 100 Jahre her sind, dass der Film In Sturm und Eis – Im Kampf mit dem Berge, eine „Alpensymphonie in Bildern“, in Berlin uraufgeführt wurde. Der Film ist der rote Faden des Festivals. Gedreht wurde er damals im Oktober 1920 von Arnold Fanck, dem deutschen Pionier unter den Bergfilmern, und die grossartige, wunderbar mit den Bildern harmonierende Musik stammt im Original von Paul Hindemith, dem deutschen Komponist der Moderne. Es ist der erste Film in der Kinogeschichte, der in über 4’000 m Höhe gedreht wurde. Das Publikum bekommt die Orchesterversion des Werks zu hören, interpretiert vom Scharoun Ensemble Berlin und dem Festivalorchester unter der Leitung von Stanley Dodds. Stefanie Latzin, die Enkelin von Ilse Rohde (eine der beiden Protagonisten des Films), hatte diese gut gekannt und wird von dieser aussergewöhnlichen Frau erzählen.

Filmposter "Im Kampf mit dem Berge"
Das historische Filmposter von In Sturm uns Eis – Im Kampf mit dem Berge ©Arnold Franck

Ilse Rohde war eine Hochleistungssportlerin und emanzipierte Frau die im Jahr 1920 Aussergewöhnliches erfahren durfte. Sie hat viele Berg-und Skitouren gemacht und war sogar ein halbes Jahr lang zum Skilaufen in Japan! Ihre Enkelin Stefanie Latzin wird die Geschichte Ihrer Grossmutter am 10. September im Rahmen eines Pre-Talks erzählen und Erinnerungen wieder aufleben lassen. Durch das Skilaufen, hat Ilse Rhode den Skiläufer Hannes Steiger, den anderen Darsteller im Film, und Regisseur Arnold Frank kennengelernt. Sie haben zusammen Riesentouren sowohl in der Schweiz, als auch in Österreich, Italien und Südtirol gemacht und sind auch viel geklettert. Mit ihren Ski-Gefährten Hannes Steiger und Arnold Franck und einem Kameramann bestieg Ilse Rohde den Lyskamm unter schwierigen Bedingungen und mit einer für heutige Verhältnisse eher rudimentären Ausstattung. Entsprechend war dieser Film eine echte körperliche und technische Herausforderung für sie und das Team (2 Personen!)! Das Öl ist beim Filmen sogar eingefroren, was das Weiterdrehen erschwerte, es wurde in der Höhe ja noch alles mit der Hand gekurbelt.

Die Musik zum Film ist ganz und gar aussergewöhnlich. 1921 sorgte der 25-jährige Komponist Paul Hindemith in Berlin mit seinen expressionistisch gefärbten Opern für grossen Aufruhr (Mörder, Hoffnung der Frauen, Das Nusch-Nuschi). Um sich von all den Ereignissen zu erholen, verbrachte er den Sommer im italienischen Meran. Dort lernte er Arnold Fanck kennen, der gerade mit dem Schnitt von 2400 Meter Filmmaterial beschäftigt war, das er hoch über dem Bergdorf Zermatt gedreht hatte. Als Hindemith den Film sah, bot er dem Regisseur an, dazu eine Musik zu komponieren, die von den Musikern während der Filmschau live gespielt werden sollte (die Synchronisation von Bild und Ton war zu der Zeit noch nicht möglich). Die Musik, die auf eindrückliche Art die Gefahren ausmalt und die spektakulären Bilder zum Leben erweckt, wirkt ein Jahrhundert später noch immer grandios.

Nachwuchstalente in Zermatt

Nachwuchstalente spielen in Zermatt
Nachwuchstalente der Zermatt Academy ©Aline Fournier

Live gespielt wird die Musik vom Zermatt Festival Orchestra unter der Leitung von Stanley Dodds. Das Orchester besteht aus Studentinnen und Studenten der Academy und dem Scharoun Ensemble Berlin. Im diesjährigen Programm sitzt wieder ein starker Akzent auf der pädagogischen Dimension des Festivals. Die jungen Musiker der Academy kommen aus der ganzen Welt und musizieren auf sehr hohem Niveau. 1983 von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker gegründet, begeistert das Scharoun Ensemble seit über einem Vierteljahrhundert ein breites Publikum in Europa und Übersee. Das Scharoun Ensemble ist seit der Gründung des Festivals 2005 Ensemble in Residence des Zermatt Music Festival & Academy. Stanley Dodds ist Chefdirigent des Sinfonie Orchesters Berlin, das er seit 2014 in jährlich zehn Konzerten in der Berliner Philharmonie leitet, darunter das jährliche Neujahrskonzert mit Ludwig van Beethovens Neunter Symphonie.

Weitere Highlights

Hochkarätige Musik vor dem Matterhorn wartet am nächsten Zermatt Music Festival & Academy auf ©Olivier Maire

Die Konzertreihe „Matterhorn Serenaden“ besteht in diesem Jahr aus vier Konzerten. Das Konzept ist einfach. Von 16.30 Uhr bis um 17.00 Uhr gibt es auf dem Kirchplatz kleine Gratiskonzerte im Freien! Das erste wird am 10. September von der Geneva Brass bestritten. Das zweite ist am 11. September vom Oberwalliser Vokalensemble unter der Leitung seines Chefs Hansruedi Kämpfen zu hören. Das dritte findet am 17. September mit Walliserin Laure Barras statt. Das vierte und letzte der Reihe steht am 18. September auf dem Programm mit der Tournée des refuges (Berghütten-Tour).

2021 markiert auch die Rückkehr zur Kapelle Riffelalp, die 2020 geschlossen wurde. Zu erleben sind Kit Armstrong, der Oboist Dominik Wollenweber und das Scharoun Ensemble Berlin sowie den Jazz-Pianisten Yannick Delez im Rahmen der neuen Solo Sessions-Serie. Im Stockalperschloss Brig ist ein Solokonzert des Cellisten Claudio Bohórquez, einem Pablo Casals-Preisträger, zu hören. In Brig werden wird man eine Solo-Suite von Cassadó zu hören bekommen. Claudio Bohórquez setzt seine Hommage an Casals, Bach und Cassadó in der Kirche von Winkelmatten (eine Neuheit!) mit einer Solo Session II am 15. September fort.

Der 11. September bringt den jungen amerikanischen Pianisten Kit Armstrong zusammen mit dem Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, Noah Bendix-Balgley, auf die Bühne. Er spielt zwei Bach-Konzerte. Die Messe vom 12. September wird nur sehr selten aufgeführt. Es ist die Misa a Buenos Aires von Martín Palmeri, eine Tango-Messe, interpretiert vom Oberwalliser Vokalensemble und seinem Chef Hansruedi Kämpfen, in Zusammenarbeit mit dem Trio Nota Bene und dem Bandoneonspieler Luciano Jungman.

Am 16. und 17. September folgen die vier Extremmusikern der Tournée des refuges die Spuren von Arnold Fanck. Im Programm: Überqueren des Gornergletschers mit Richard Lehner (einem Hochgebirgsbergführer mit der Erfahrung von über hundert Aufstiegen, Verwalter der Monte Rosa-Hütte und Direktor des Basecamp Hotels), Live-Konzert und Übernachtung in der Monte Rosa-Hütte!

Wolfram Brandl, der Konzertmeister der Staatskapelle Berlin und der Cellist Claudio Bohórquez, laden auf eine romantische Reise am 17. September ein. Auf dem Programm: Tschaikowsky und Bizet. Mozart steht als Komponist im Rampenlicht des grossen Konzerts vom 18. September mit Wolfram Brandl und die junge deutsche Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller. Weiterer Treffpunkt am Sonntag, den 19. September: die Chapelle des Ducs de Savoie in der englischen Kirche von Zermatt.

Mehr Infos über das gesamte Programm und den Ticketverkauf hier.

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