Rollentausch: Der Biker 🚵‍♀‍ wird zum Hiker 🚶‍♀‍

Die einen lieben sie zum Biken, die anderen zum Wandern. Die Rede ist von den Wegen in der Bergwelt rund um Zermatt. Doch ist ein Nebeneinander von Bikern und Hikern schwierig? Jetzt ist Zeit für den Praxistest.

Etwas haben sie alle gemein: Sie lieben die Berge, Seen und Wälder Zermatts. Sie, das sind die Biker und die Wanderer. Doch wer hat «mehr» Anspruch auf die Wege, die durch die Märchenlandschaften führen? Die Antwort liegt auf der Hand… Es sind beide gleichermassen. Und trotzdem kommt es ab und an zu Situationen, in denen sich der Biker oder der Hiker vom jeweils anderen gestört fühlt.

Als Produkt Marketing Manager Bike bei Zermatt Tourismus kenne ich vor allem die Bike-Sicht. Und man sagt doch immer, dass man beide Seiten betrachten muss und sich dann ein Bild über die Situation machen soll. Also bin ich in die Rolle des Wanderers geschlüpft und habe mich mit Claudine, Produkt Marketing Manager Wandern & Alpinismus bei Zermatt Tourismus, aufgemacht, um Vorurteile gegenüber Bikern auf Herz und Nieren zu testen.

Vorab habe ich mir natürlich schon einige Gedanken dazu gemacht:
Gibt es wirklich so viele Biker, die einfach drauflos brettern? Kann man sie wirklich alle in denselben Topf schmeissen? Sind sie wirklich so rücksichtslos?

Trail-Toleranz / Shared Trails

Neuerdings hängen an den meisten Wegweisern in Zermatt diese Info-Schilder:

Trail-Toleranz © Jasmin Marti

Das soll allen Wegbenutzer aufzeigen, dass verschiedene Gruppen auf dem Weg unterwegs sind. Wenn man sich dann in der unglaublichen Aussicht auf unser Bergpanorama verliert, dann kann man das natürlich schnell einmal vergessen. Ist einem ja auch nicht zu verübeln. Dasselbe ist auch mir passiert:

Man sollte dann einfach nicht so verwundert sein, wenn mal ein Biker daher gefahren kommt. Natürlich ist es nicht schön, wenn einem der Biker aus der Berg-Träumerei reisst, weil er zwei Meter hinter einem eine Vollbremse macht, damit er gehört wird.

Deshalb meinen Appell an alle Biker, die das lesen: Ich weiss, das penetrante Klingeln unserer Trailbell einem ziemlich schnell auf den Geist geht. Aber: die Wanderer lieben sie, denn sie hören von weitem, dass Biker unterwegs sind. Okay, manchmal denken sie auch, dass ein paar Schwarznasenschafe daher gerannt kommen. Aber das ist egal, denn sie hören, dass was kommt. 😉

Biker
Eine Trailbell

Und sobald es irgendwo klingelt und glöckelt, dreht man sich um und voilà: schon sieht man, dass sich ein Biker nähert. Ich finde diese Trailbells also schon sehr effektiv. 😇

Um meine Fragen am Anfang des Beitrags schon einmal zu beantworten: Ja zu: es gibt rücksichtslose Biker, aber es sind ein paar Wenige. Und deshalb: Nein, man kann sie nicht alle in einen Topf schmeissen und es sind nicht alle böse. 👹

Aber hier noch mein ganzes Fazit als Neo-Wanderer:

1. Ich habe mich ein paar wenige Male über die Biker genervt und dann war das an Orten, wo die Biker eigentlich wirklich nichts zu suchen haben. Zum Beispiel dort, wo es anfangs Weg ein Abschrankung hat und der Bikeweg gut gekennzeichnet einem anderen Weg entlangführt.

Also liebe Biker, an solchen Orten folgt ihr wirklich einfach besser den offiziellen, ausgeschilderten Routen. Das erspart euch Biker, weniger böse Blicke und Kommentare und alle Fussgänger und Wanderer können ihre Wanderung geniessen. Und nein, ein «ja, aber dieser Trail ist wirklich geil» lassen wir hier nicht durchgehen. Wir Biker finden es auch nicht so gut, wenn auf dem Sunnegga-Trail plötzlich Wanderer vor uns stehen.

2. Ich höre viel, dass Wanderer ganz schnell auf die Seite springen müssen, damit sie nicht über den Haufen gefahren werden. Ist mir persönlich noch nie passiert, denn auch als Wanderer sollte man Augen und Ohren offenhalten und aufmerksam sein.

3. Wenn zwei Meter hinter einem eine Vollbremse gemacht wird, ist das NICHT geil! Was allerdings richtig lustig ist, ist das Gebimmel der Trailbell. Das ist sowieso eine Win-Win Situation: Biker müssen ihr Hinterrad nicht blockieren und machen so den Weg nicht kaputt und die Wanderer haben Freude, dass sie die Biker von weitem hören.

Biker

4. Full-Face Helme sind voll uncool. Als Wanderer ist es einem viel sympathischer, wenn man sieht wer da einem entgegenkommt. Und überhaupt: We love to see your smile. Den in unserem Falle gilt: «Lachen ist die fröhlichste Versandart, um Ärger in die Wüste zu schicken.» (und ja, das habe ich gegoogelt). 😎

5. Wenn man als Wanderer Ruhe vor den Bikern möchte, gibt es in Zermatt sehr viele wunderschöne Wanderungen, die für Biker vollkommen uninteressant sind, da sie beispielsweise zu steil oder mühsam zu erreichen sind. Zum Beispiel: der Abenteuerweg zum Unterrothorn und dann weiter auf’s Oberrothorn.

Oder der Rundweg zur Hängebrücke Randa, die Wanderung zum Edelweiss oder ins Trift, der Matterhorn Glacier Trail, und und und…

Biker

Nach diesem Wander-Sommer bin ich der Meinung, dass Biker und Wanderer gut aneinander vorbeikommen. Ohne Konflikte. Was aber zwingend ist: Rücksicht und Verständnis auf beiden Seiten. Dann funktioniert’s gut, da bin ich mir sicher.

Und zum Schluss noch ein Satz von einem Biker:

So schön das Wandern in Zermatt auch sein kann, ich werde mein Bike trotzdem behalten.

Biker

Du willst wissen, wie es Claudine beim Biken erging? 👀 Hier geht es zu ihrem Erlebnisbericht. 😎

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